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Kurze Geschichte von Breslau
Die Stadt mit vielen Namen
Wrotizla, Wretslaw, Presslaw, Bresslau, Breslau, Wroclaw. Alle diesen anscheinend verschiedenen Namen beziehen sich auf dem gleichen Punkt auf der Karte Europas. Alle bezeichnen eine Stadt, die in seiner Geschichte zu vier verschiedenen Nationen gehörte. Als Wrotizla war sie die Festung der polnischen Dynastie von Piasten (1000-1335). Allerdings, strebten sowohl die Tschechen (der Stadtname kommt vom böhmischen Herzog Wratislav) als auch die Deutschen (ihre Sprache und Kultur gewannen immer größere Bedeutung in Schlesien) danach, die Stadt zu kontrollieren. Als Wrestlaw gehörte die Stadt zum Königreich Böhmen (1335-1526). Preslav war der Stadtname unter österreichischer Habsburger Regierung (1526-1741). Bresslau, später zu Breslau gekürzt, war der Stadtname im Königreich Preußen (1741-1871) und dann in dem Deutschen Kaiserreich und dem Dritten Reich (1871-1945). Nach 1945 ist die letzte und hoffentlich endgültige Variante des Stadtnamens seiner originellen Form am nächsten und lautet Wroclaw.
Breslau war ausreichend lang ein Teil der vier Nationen, um sich in denen Geschichten einprägen zu können. Gallus Anonymus, der erste Historiker, der Polen beschrieben hat, erwähnte Breslau, neben Krakau und Sandomierz, als eine der drei polnischen Hauptstädten unter der Piastendynastie. Im 14. Und 15. Jahrhundert war Breslau die zweitwichtigste Stadt im Königreich Böhmen. Als die Stadt in preußische Hände geriet, wurde Bresslau das Juwel in der Staatskrone genannt, weil es vielmehr reicher als die preußische Hauptstadt Berlin war. Nach der Deutschen Reichsgründung wurde Breslau, nach angereichertem Berlin und Hamburg, die drittreichste Stadt des Reiches. In Nachkriegspolen war Breslau, neben Krakau, die zweite inoffizielle kulturelle Hauptstadt.
Breslau war nie die Stadt eines Volkes. Sprache, Menschen, Religionen und Herrscher kamen und gingen. Unberührt blieb jedoch der Geist der Stadt. Nicht nur Polen, Tschechen, Deutschen und Österreicher bildeten die Geschichte von Breslau. Dank wallonischen Weber aus Frankreich, die sich hier im 12. Jahrhundert ansiedelten, wurde Breslau breit und weit als das Zentrum der Gewebeindustrie bekannt. Auch die jüdische Gemeinschaft, die fast ein tausend Jahre in Breslau lebte, prägte sich in Breslaus Geschichte ein.
Der Zweite Weltkrieg brachte die größten Änderungen in Breslau. Die Hauptstadt von Niederschlesien blieb bis 1945 von dem Krieg fast unberührt, dann musste sie jedoch einen sehr hohen Preis für Jahren des relativen Friedens bezahlen. Während der Zwangsevakuierung der Stadt im Januar 1945 kamen achtzig tausend Zivilisten im strengen Winter ums Leben. Die verzweifelte Verteidigung der Festung Breslau gegen die sich nähernde Rote Armee und die darauffolgende Stadtverwüstung bedeuteten, dass mehr als 70 Prozent von Breslau zerstört wurde.
Zeitachse der Geschichte Breslaus
? – Die Stadt wurde nach dem böhmischen Herzog Vratislav (888 – 921) benannt.
990 – Mieszko I. – der Begründer des polnischen Staates aus der Piastendynastie, eroberte Schlesien und Breslau.
1000 – Boleslaw der Tapfere gründete die Diözese in Breslau (die zwei übrigen Diözesen wurden in Krakau und Kolobrzeg gegründet). Mit 1000 Einwohner wurde Breslau schrittweise zu einem Wirtschaftszentrum.
1038 – 1054 – Breslau gehört vorläufig zu Böhmen.
1140er – Das Schlesische Herzogtum wurde gegründet. Breslau wurde zu einem bekannten Zentrum des internationalen Handels.
1241 – Der Mongoleneinfall zwang Breslaus Einwohner dazu, die Stadt zu brennen, damit die Mongolen zurückziehen. Ostrow Tumski, der ursprüngliche Gründungsort von Breslau wurde zu einem religiösen Zentrum. Die Stadt wurde um den Marktplatz umgebaut. Anfänge der Germanisierung von Breslau.
1273 – Zunft der Handwerker wurde in Breslau gegründet.
1335 – Breslau wurde in das Königreich Böhmen eingegliedert
1342 – 1344 – Der Brand richtete Verwüstung in großen Teilen der Stadt an.
1526 – Breslau unter der Herrschaft der Österreichischer Habsburgermonarchie.
1618 – 1648 – Der Dreißigjährige Krieg und Pest verursachten große Verwüstung in der Stadt.
1702 – Die Jesuitenakademie wurde von dem Kaiser Leopold I. gegründet und erhielt nach ihm den Namen Leopoldine.
1741 – Die schlesischen Kriege. Breslau und Schlesien gelangten unter preußische Herrschaft. Breslau wurde zu einer der drei Hauptstädten von Preußen.
1806-1807 – Breslau, belagert von Napoleons Armee, wurde schließlich im Jahre 1807 erobert. Die Stadtbefestigungen wurden zerstört.
1811 – Universität Breslau wurde mit Einbeziehung der Universität in Frankfurt an der Oder und der Leopoldina gegründet.
1842 – Die erste Eisenbahnlinie wurde eröffnet.
1860er – Zeit des dynamischen Industriewachstums in Breslau.
1910 – Grunwaldzki Brücke (Kaiser Brücke) wurde eröffnet.
1914-1918 – Der Erste Weltkrieg zerstörte Breslau nicht, verursachte jedoch ökonomische Schwierigkeiten.
1928 – Ausstellung der Architektur und Innenarchitektur in Breslau.
1933 – Breslau wurde stark germanisiert. Zwanzig tausend Polen und Juden wurden gezwungen, die Stadt zu verlassen.
1941-1945 – Breslau verwandelt sich in ein Paradies für Flüchtlinge. Die Bevölkerungszahl nähert sich 1 Million.
1944 – Im September wurde Breslau von Hitler zur Festung erklärt und wurde zu einem Teil der sog. Oderlinie des deutschen Verteidigungssystem.
1945 – im Mai kapitulierte die Stadt vor den Sowjeten. „Breslau ist die Ruine in Flamen”. In Folge von heftigen Kämpfen des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt zu 70% zerstört (die historische Altstadt wurde zu 60% zerstört). Niederschlesien und Breslau wurden Polen angeschlossen.
1946 – Vertreibung der deutschen Bevölkerung und Zufluss von Polen aus Lemberg, Vilnius und in geringerem Maße aus Warschau und Posen.
1948 – Die Ausstellung der Wiedergewonnenen Gebiete.
1985 – Das restaurierte Gemälde Panorama von Raclawice wurde ausgestellt.
1990 – Der Fall des Kommunismus in Polen. Die ersten demokratischen Wahlen zum Stadtrat in Breslau.
1997 – Der 46. Internationale Eucharistische Kongress, mit Teilnahme vom Papst Johannes Paul II.
2009 – Breslau als eine der Gastgeberstädte der Euro 2012 in Polen und der Ukraine bekanntgegeben.


